Porträts

«Fühl dich im Regenwald-Atelier wie zu Hause»

In seinem Laden verkauft Chris Bachmann natürliche Energy Shots sowie Surf- und Snowboardreisen. Am 22. September feiert das Geschäft das 20-jährige Jubiläum. Wir haben Chris, der jahrelang den Snowboard-Event Freestyle.ch moderierte, im «Sudden Rush» besucht. Hier arbeitet er zwischen Pflanzen und Surfbrettern – und rettet den Regenwald, zumindest einen Teil davon.

Porträt und Fotos für Stadtmagazin HelloZurich. 12. September 2018.


Chris Bachmann schleppt zwei Kisten zur Tür herein. «Entschuldige bitte die Verspätung», sagt er. «Da stand plötzlich ein Lieferant vor unserem Lager in Meilen, mit zwei Paletten Energy Shots.» Draussen vor dem Laden hat Chris den bunt besprühten VW-Bus geparkt. «Ich bin gleich bei dir. Fühl dich im Regenwald-Atelier wie zu Hause.»

«Regenwald-Atelier» – das trifft den Geist des kleinen Ladens «Sudden Rush» am Kreuzplatz. Überall stehen Pflanzen. An einer Wand prangt ein riesiges Urwald-Graffiti: Schlingpflanzen, Wasserfälle, ein Faultier. Hinter den Pflanzen stehen Surfbretter, daneben ein Skateboard. Eine kleine improvisierte Bar aus Holz gibt es auch. Auf dem Tresen stehen Ampullen mit der Aufschrift «Sudden Rush». Dahinter geht es zu den Büros von Chris und seinen fünf Mitarbeitern. In einem Nebenraum steht Surfausrüstung zum Verkauf bereit. Ich mache es mir zwischen den Pflanzen und Surfbrettern auf einem braunen Ledersofa gemütlich.

Seine berufliche Karriere startete ganz unspektakulär mit einer KV-Ausbildung.

Chris trägt eine türkise Hose, ein weisses T-Shirt und eine Kette aus Holzperlen. Er ist braungebrannt und hat dunkelblonde Haare und blaue Augen. Chris ist Surfer – aber nicht nur. Der Unternehmer verkauft Energy Shots und Reisen und ist Eventmoderator. Nebenbei setzt er sich stark für den Regenwald ein und fährt Snowboard.

Chris’ berufliche Karriere startete ganz unspektakulär mit einer KV-Ausbildung. In seiner Freizeit liebte er es, zu snowboarden. Doch dann riss er sich bei einem Unfall das Becken an. Snowboarden war erstmal gestrichen. «Warum also noch in der Schweiz bleiben?», fragte er sich.

Chris beschloss mit 19, nach Orlando in die USA zu fliegen. «Und plötzlich war ich Reiseleiter», erzählt er. Die Ausbildung habe eine Woche gedauert, danach habe er eine 17-köpfige Reisegruppe in Empfang genommen. Das sei drei Tage lang gut gegangen – am vierten Tag habe er die ganze Gruppe verloren. «Ich bin in halb Orlando herumgerannt. Irgendwann habe ich sie durch Zufall wiedergefunden.»

Mit 20 zog Chris nach Hawaii und führte dort vier Jahre lang ein Reisebüro. Zurück in der Schweiz fragte ihn ein Freund wegen seiner Englischkenntnisse für eine Snowboard-Sendung an. Der erste Auftrag in Chris’ Karriere als Fernseh- und Eventmoderator. Mittlerweile ist er schon seit zwei Jahrzehnten im Geschäft.

Jahrelang moderierte Chris das Freestyle.ch auf der Landiwiese.

Chris hat seither diverse Snowboard-Events moderiert, unter anderem an den olympischen Spielen. Er hat das Freestyle.ch seit dessen Anfangszeiten gehostet und alle möglichen Sportevents moderiert: von Eishockey über Fussball bis hin zu Mountainbike und Ski. Als Fernsehmoderator hat er unter anderem bei MTV und Sat1 gearbeitet.

Mit 26 Jahren gründete Chris sein erstes Unternehmen: Ein Reisebüro für Snowboard- und Surfreisen. Allen kritischen Stimmen aus seinem Umfeld zum Trotz hat er damit bis heute Erfolg. Das Unternehmen feiert am 22. September 2018 sein 20-Jahre-Jubiläum.

Bei seinen Reisen nach Brasilien hat sich Chris in den Regenwald verliebt und sich dort ein Haus gebaut. Seither lebt er dort jedes Jahr drei bis sechs Monate. Mit Solarstrom, sehr schwachem Handynetz und ohne Internet. «So lade ich meine Batterien auf.»

Leider hat seine Liebe zum atlantischen Regenwald einen bitteren Beigeschmack: Dem Urwald geht es bekanntlich nicht gut. Über 80 Prozent davon wurden in den vergangenen 500 Jahren abgeholzt. Das rüttelte Chris auf. Und mit seinem Erfolg in der Reisebranche kam das schlechte Gewissen: «Ich liebe die Natur, aber wegen mir steigen tausende Leute ins Flugzeug.»

Zehn Prozent des Gewinnes aus den Energy Shots investiert Chris in Regenwald-Projekte.

Also startete Chris ein neues Projekt: 2006 gründete er die Jungle AG und entwickelte Energy Shots aus der Regenwaldpflanze Guarana – kleine Ampullen, gefüllt mit einer bittersüssen Essenz, die wach macht. Die stärksten haben so viel Koffein wie sechs Espressi. Sie wirken aber anders als Kaffee. Das Koffein aus der Guarana-Pflanze baut sich im Körper langsam ab und wirkt deshalb gleichmässig über etwa sechs Stunden.

Zehn Prozent des Gewinnes aus den Energy Shots investiert Chris in Regenwald-Projekte. Letztes Jahr habe er so rund 100’000 Quadratmeter Regenwald geschützt – das entspricht etwa 14 Fussballfeldern.

Chris selbst ist etwa viermal pro Woche im Laden am Kreuzplatz. Er sitzt mit Geschäftspartnern am grossen Tisch im Shop, bereitet Moderationen vor, verkauft Reisen und Energy Shots oder steht hinter der Bar und mixt Smoothies. Mir bereitet er einen aus Acai, Banane, Mandelmilch, Limettensaft und Hanfprotein zu. Hinter der Bar ist der 46-Jährige in seinem Element: Er mixt, blödelt herum, lacht. Und mich beschleicht ein leises Gefühl von Fernweh.

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